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Am 16. Juni bot sich uns in Gelnhausen, noch vor den Hauptveranstaltungstagen der AirClassics (17. - 19. 06), die einmalige Gelegenheit für ein Air to Air Shooting der besonderen Art mit Mikael Carlson und seinem Nachbau des Fokker Dr1 Dreideckers, welcher wohl weltweit zu einem der authentischsten zählen dürfte. Der Bau dieses Flugzeugs dauerte 3 1/2 Jahre, der Erstflug fand 2008 statt.

Viele Nachbauten des berühmten Dreideckes, wie z.B. die Dr1 D-EFTJ, werden heutzutage, aus Mangel an Originaltriebwerken, mit Sternmotoren ausgerüstet wie z.B. dem SH14, welcher im FW44 Stieglitz oder der Bücker Jungmeister eingesetzt wurde. Ursprünglich war die Dr1 mit einem Oberursel II Umlaufmotor ausgestattet welcher eine Kopie des Le Rhônes ist. Der Le Rhône fand unter anderem in der Sopwith Camel Verwendung.

Diese Fokker Dr1 ist jedoch, welche nach Angaben Mikael Carlsons nach deutschen Originalplänen gebaut wurde, mit eben diesem originalen (!) Le Rhône Umlaufmotor ausgestattet, welcher satte 110 Ps aus seinen 9 Zylindern holt. Damit schafft es das Leichtgewicht (leer - 474kg) auf stolze 160 km/h, was bei unserem Fotoflug mit der Do-27 EJEX (6 Zyl Lycoming / 270 PS / 200km/h Reise) kurzfristig zum "Problem" wurde....

Der Le Rhône, und auch der Oberursel, kennen übrigens nur zwei Aggregatzustände: An & Aus! Dazwischen gibts nur Vollgas! Unter Vollast läuft der Le Rhône 1200 U/min. Um im Endteil die Maschine zu verlangsamen muss die Zündung kurzfristig immer wieder unterbrochen werden, welches diese charakteristischen "Aussetzer" des Umlaufmotors verursacht.

Ganz nebenbei! Der Umlaufmotor "rotzt" während eines Displays gefühlte 3,5 Liter Öl auf die Maschine. Das bedeutet in etwa: 10 Minuten fliegen und 20 Minuten putzen....

Zur Wendigkeit: Wärend eine normale Kunstflugbox 1000x1000x1000m misst, fliegt Mikael sein Dr1 Display, ein wenig übertrieben ausgedrückt, auf der Grundfläche eines Bierdeckels!

Was ich bisher nur aus historischen Berichten herauslesen konnte und aus mehr oder weniger akkuraten PC Simulatoren kannte, wurde in Gelnhausen Realität! Selbst Manfred von Richthofen sagte über die Dr1: "Wendig wie der Teufel und klettert wie ein Affe!" Und auch die Alliierten meinten:"It turns on a dime!". Und das ist nicht übertrieben, denn dieser Dreidecker hat eine unglaubliche Steigrate und dreht praktisch auf der Stelle!

Auch Mikaels Display ist nicht mal eben "hin und her" geflogen, nein! Er holt alles aus seiner Fokker heraus was möglich ist und das auf engstem Raum! Aber eben dieses Display zeigt gnadenlos, welche Möglichkeiten sich den deutschen Piloten ab 1917 bot! Aufgrund der Steigrate und der Wendigkeit waren sie über einen bestimmten Zeitraum den alliierten Piloten überlegen, welches folgendes Beispiel zeigt:

Am 23. September 1917 eröffnete Werner Voß den Luftkampf gegen sieben britische S.E.5a. Nach zehnminütigem Kampf, in welchem Voß zwei S.E.5a abschoss und die anderen beschädigte, wurde er eingekreist und von Lieutenant Arthur Rhys Davids abgeschossen.... YouTube Video

Eine einzelne Dr1 gegen sieben (!) SE5. Davon wurden zwei abgeschossen und der Rest beschädigt! Eine fliegerische Meisterleistung ohnegleichen.

Einen herzlichen Dank an die nette und sympatische Truppe aus Schweden: Mikael Carlson, seine Frau Gunilla und sein Team! Mehr auf Mikaels Homepage unter: www.aerodrome.se . Vielen Dank auch an das Airshow-Team Gelnhausen, an unseren Piloten Armin Iffland (Camera-Ship Do-27 D-EJEX) und an Peter Bauer für die Paparazzi-Fotos 27 & 28.

Technische Daten der Fokker Dr1:
Spannweite: 7.19 m
Länge: 5.77 m
Höhe: 2.95 m
Leergewicht: 474 kg
Motor: 9-Zylinder Le Rhône 110 PS Umlaufmotor
Reisegeschw.: 160 km/h


 
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